Mit einem Surflehrer aus Peru, den besten Pintxos meines Lebens und jeder Menge Respekt vor dem Atlantik habe ich mich ausgerechnet beim Surfen in Spanien neu ins Wellenreiten verliebt.
Wenn man an Surfen in Spanien denkt, kommen den meisten wahrscheinlich Fuerteventura oder die sonnigen Strände Andalusiens in den Sinn. Mir ging es genauso. Dass sich der Norden Spaniens zu einem der besten Surfgebiete Europas entwickelt hat, wusste ich vorher kaum. Zusammen mit einem Freund machte ich mich deshalb auf den Weg ins Baskenland – nicht mit dem Flugzeug, sondern ganz entspannt im Van.
Unsere Reise begann in Barcelona und führte uns quer durch Nordspanien. Unterwegs legten wir spontane Stopps ein, unter anderem beim Weinfest in Logroño, bevor wir schließlich die Atlantikküste erreichten. Von dort aus waren wir hauptsächlich in den kleinen Orten zwischen Bilbao und San Sebastián unterwegs. Genau diese kleinen Küstenorte haben den besonderen Charme der Reise ausgemacht. Statt großer Hotelanlagen erwarteten uns gemütliche Cafés, kleine Surfshops, Fischerhäfen und eine entspannte Atmosphäre, in der sich alles um das Meer zu drehen schien.
Natürlich durfte auch gutes Essen nicht fehlen. Nach jeder Surfsession landeten wir früher oder später wieder in einer Bar und bestellten Pintxos – die kleinen baskischen Häppchen, die für mich schnell zur besten Hauptmahlzeit überhaupt wurden. Nach ein paar Stunden im kalten Atlantik schmeckten sie gleich doppelt so gut.
Ist das Baskenland für Surfanfänger geeignet?
Die kurze Antwort lautet: Ja – aber anders, als ich erwartet hatte.
Obwohl ich bereits erste Erfahrungen gesammelt hatte, wurde ich im Baskenland ziemlich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Meine ersten Wellen ritt ich vor einigen Jahren in Costa Rica. Später verbrachte ich sogar eine Woche in einer Surfschule auf Fuerteventura. Ich dachte also ehrlich, dass ich die Grundlagen inzwischen ganz gut beherrsche.
Doch jede Küste hat ihren eigenen Charakter.
Während ich auf Fuerteventura oft entspannte Anfängerwellen erlebt hatte, zeigte sich der Atlantik im Baskenland deutlich kraftvoller. Die Wellen bauten sich schneller auf, das Wasser wirkte lebendiger und ich musste mich viel stärker auf Timing und Technik konzentrieren. Genau das machte den Reiz aber auch aus.
Wer zum ersten Mal Surfen in Spanien ausprobieren möchte, findet im Baskenland trotzdem hervorragende Bedingungen. Besonders Zarautz gilt als einer der beliebtesten Surfspots für Anfänger. Der breite Sandstrand bietet genügend Platz, mehrere Peaks verteilen die Surfer gut und entlang der Promenade reihen sich Surfshops und Surfschulen aneinander.
Auch San Sebastián mit dem Strand Zurriola oder Sopelana eignen sich hervorragend für Einsteiger. Anders sieht es dagegen in Mundaka aus. Dort entstehen legendäre Wellen, die Surfer aus der ganzen Welt anziehen – allerdings eher erfahrene als Anfänger. Ich war schon beeindruckt, den Könnern einfach nur vom Strand aus zuzusehen.
Wann ist die beste Reisezeit zum Surfen im Baskenland?
Das Baskenland zählt zu den besten Regionen für Surfen in Spanien und kann das ganze Jahr über bereist werden. Je nach Jahreszeit unterscheiden sich die Bedingungen jedoch deutlich.
Mein Tipp, wenn du Surfen in Spanien als Anfänger ausprobieren möchtest:
- Frühling: Weniger Besucher, angenehme Bedingungen und gute Wellen.
- Sommer: Ideal für Anfänger und Surfkurse, viele Besucher, volle Bars
- Herbst: Beste Wellen für erfahrene Surfer.
- Winter: Kraftvolle Swells – eher für Fortgeschrittene geeignet.
Wie kommt man von Barcelona ins Baskenland?
Dass wir mit dem Van unterwegs waren, war im Nachhinein wahrscheinlich die beste Entscheidung der ganzen Reise. Dadurch konnten wir spontan anhalten, kleine Dörfer entdecken und einfach dort bleiben, wo es uns gefiel.
Zwischen Barcelona und der baskischen Küste liegen viele sehenswerte Orte. Besonders das Weinfest in Logroño war ein ungeplanter Zwischenstopp, der sich absolut gelohnt hat. Solche Erlebnisse geben dem einen Roadtrip den besonderen Kick.
Wie gehts mit Zug, Bus und Flugzeuge?
Falls du keinen Van zur Verfügung hast, erreichst du das Baskenland aber genauso gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Bilbao und San Sebastián verfügen über gute Zug- und Busverbindungen, außerdem gibt es günstige Inlandsflüge.
Sehr beliebt ist in Spanien auch BlaBlaCar. Das Carsharing wird dort viel genutzt und ist eine preiswerte Möglichkeit, auch ohne Mietwagen flexibel unterwegs zu sein. Man braucht einfach nur etwas Geduld und Flexibilität.
Mein Surfkurs – und warum ich ihn jedem empfehlen würde
Da ich bereits in Costa Rica meine ersten Wellen gesurft hatte und später sogar eine Woche in einer Surfschule auf Fuerteventura genoss, traute ich mir nun im Baskenland natürlich mehr zu.
Zum Glück war ich nicht ganz auf mich allein gestellt. Mein Roadtrip-Buddy surft bereits seit mehreren Jahren und versuchte mir die wichtigsten Grundlagen erneut in Erinnerung zu rufen. Gemeinsam gingen wir ins Wasser und tatsächlich klappte es mit seinen Tipps schon deutlich besser, als ich erwartet hatte.
Am nächsten Tag fühlte ich mich dann allerdings etwas zu selbstsicher.
„Das schaffe ich jetzt auch alleine.“ dachte ich mir.
Gesagt, getan. Ich schnappte mir wieder ein Board, paddelte hinaus und merkte ziemlich schnell, dass das Meer andere Pläne hatte. Ich erwischte kaum eine Welle, wurde ständig vom Brett gespült und hatte irgendwann das Gefühl, mehr Salzwasser zu trinken als zu surfen.
Nach dem nachdem ich beinahe fünfmal ertrunken wäre, lag ich völlig erschöpft am Strand und fragte mich ernsthaft, was ich eigentlich falsch machte.
Offenbar war ich mit meinen verzweifelten Soloversuchen nicht unbemerkt geblieben.
Der peruanische Surflehrer aus dem Surfshop kam schließlich zu mir herüber. Später erzählte er mir schmunzelnd, dass er meine Bemühungen schon eine ganze Weile beobachtet hatte und sie irgendwann einfach nicht länger ignorieren konnte. Also setzte er sich neben mich und gab mir ein paar einfache, aber unglaublich wertvolle Tipps.
Einer davon hat bei mir bis heute einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Ich war die ganze Zeit hektisch und mit voller Kraft auf jede Welle losgepaddelt. In meinem Kopf galt: Je schneller ich paddle, desto größer die Chance, die Welle zu erwischen.
Genau das Gegenteil war der Fall.
Durch das ständige hektische Paddeln war ich bereits völlig außer Atem, bevor überhaupt die richtige Welle kam. Der Surflehrer erklärte mir, dass es viel wichtiger sei, ruhig zu bleiben, die Wellen zu beobachten und erst im richtigen Moment kontrolliert anzupaddeln. Nicht Kraft entscheidet darüber, ob man eine Welle erwischt, sondern Timing und Taktik.
Nachdem ich das umgesetzt hatte, fühlte sich plötzlich alles leichter an. Zum ersten Mal hatte ich nicht mehr das Gefühl, gegen den Ozean anzukämpfen. Stattdessen begann ich zu verstehen, wie man mit den Wellen arbeitet und genau in diesem Moment machte das Surfen erst richtig Spaß.
Meine Tipps für Surfanfänger
Der Atlantik ist kein Badesee – diese Lektion lernte ich im Baskenland schneller, als mir lieb war. Mein Freund, der mir eigentlich das Surfen zeigen wollte, verschwand während einer Session plötzlich aus meinem Blickfeld. Eine Strömung hatte ihn erwischt und immer weiter hinausgezogen. Zum Glück bemerkte ein anderer Surfer die Situation und half ihm wieder sicher zurück ans Ufer.
Mein wichtigster Tipp für Anfänger: Hört auf die erfahrenen Surfer vor Ort. Wenn sie sagen, dass die Wellen an einer bestimmten Stelle zu groß sind oder man lieber ein paar Meter weiter links zu den kleineren Wellen gehen sollte, dann sollte man nicht denken: „Ach, das wird schon gehen.“ Genau dieser Gedanke endet sonst schnell damit, dass man mehr Zeit damit verbringt, sein Board zu suchen, als darauf zu stehen. Bei uns hatten in dieser Woche bereits einige Anfänger ihre Softboards an den größeren Wellen ruiniert.
Surfen bedeutet nicht, die größte Welle zu erwischen, sondern das Meer zu verstehen. Lieber langsam steigern, die Bedingungen beobachten und mit Respekt ins Wasser gehen – dann macht das Surfen im Baskenland auch als Anfänger unglaublich viel Spaß.
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